Bis vor einigen Jahren orientierte sich die fotografische Ausbildung an
beispielgebenden Stilrichtungen. Die englische Schule um Martin Parr
und Paul Graham z. B. war solch ein Vorbild. Bei der Ausarbeitung von
Themen definierten ihre formalen Standards die Qualität. Das hat sich
geändert.
Heute gilt jede Kombination von Form und Inhalt als potentielle Möglichkeit.
Auch die idealistische Weltschau der Nachkriegsgeneration hat an
Anziehung verloren und dient nicht mehr stillschweigend als Maß der
Dinge bei der Themenwahl und deren Ausdifferenzierung im Bild.
Die Frage, ob Fotografie Realität repräsentieren kann, ist aktueller
denn je. Es macht den Eindruck, daß sie, wenn überhaupt, nur über eine
mediale Reflektion zu beantworten ist. Der Einfluß, den das Medium auf
die fotografische Arbeit hat, muß, dieser Idee nach, thematisiert und
zum Bestandteil der Arbeit selbst werden.
Fotografie ist anspruchsvoller geworden.
Fotografie ist digital geworden. Die Möglichkeit der Datenmanipulation
und die Möglichkeit, rein virtuelle Daten nutzen zu können, verändern
ihrerseits das Verhältnis zur äußeren Wirklichkeit.
Für den Fotografen bedeutet beides ein Plus an Unabhängigkeit.
Abstraktionen werden denkbar, die bisher einzig der Malerei vorbehalten
waren.
Die Leichtigkeit, mit der Fotografie produziert werden kann und die
inflationäre Fülle an Bildern, die sich daraus ableitet, bleiben die
Eigenarten des Mediums.
Vor diesem Hintergrund wird die Theorie der Fotografie zu einem
Schwerpunkt der Lehre. Ziel ist die Ausbildung von Fotografen mit einem
kritisch kreativen Verhältnis zum Medium.
Es werden sowohl angewandte als auch freie künstlerische Aufgaben
angeboten. Die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz sind fließend und
eine breit angelegte Ausbildung ist nach wie vor ein Garant für eine
Erfolg versprechende Zukunft.
Prof. Peter Hendricks