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Erasmus Erfahrungsbericht, Sevilla WS 09/10 von Lisa Fischbach

Sevilla hat sich in den 7 Monaten meines Erasmusaufenthaltes zu meinem zweiten Zuhause entwickelt.

Es begann alles sehr chaotisch. Uns, den 3 Studentinnen der Muthesius Kunsthochschule aus dem Fachbereich Kommunikationsdesign, wurde geraten schon Anfang September in Sevilla aufzukreuzen, um uns dort in der Uni einzuschreiben, obwohl das Semester erst Anfang Oktober losgehen sollte. Das Einschreiben an der "Universidad de Sevilla" war sehr einfach, uns erwarteten Englisch, Deutsch und Spanisch sprechende Studenten, die uns halfen die Formulare und die Bürokratie zu verstehen. Nicht so reibungslos hingegen war dann das darauf folgende Einschreiben in der "Faculdad de Bellas Artes". Trotz etwas Spanischkenntnissen war der andalusische Akzent der Sekretärin dort so unverständlich, dass wir im Endeffekt nicht wussten, was genau wir nun machen sollten und wie wir nun in welche Kurse kommen. Da man uns sagte, dass wir uns die Kurse erst anschauen und uns dann einschreiben sollten, warteten wir bis zum Semesterbeginn, um uns einzuschreiben. Das hatte zur Folge, dass viele Kurse schon belegt waren. (am Ende hatten wir alle die Fächer die wir belegen wollten, jedoch nicht zu den Zeiten, die wir haben wollten.) Das Beste wäre gewesen, sich einfach aus dem Vorlesungsverzeichnis, das sehr aktuell und auch übersichtlich ist, die Kurse zu suchen die man möchte. Im Sekretariat erhält man dann einen Zettel, auf dem die Kurse stehen und man Kreuze setzt ob man morgens oder abends die Kurse möchte. Dann wird im Computer überprüft, ob Plätze frei sind und man wird eingetragen. Wenn der Kurs einem dann doch nicht gefällt, kann man immer noch wechseln.

Das Kursangebot ist sehr groß, und sehr klassisch. Für Kommunikations Design war das Angebot anders als es bei uns ist. Der Schwerpunkt liegt hier mehr auf Drucktechnik, wie Siebdrucken (Lithografia), so wie Holzdruck, Radierungen oder Agua fuerte (Grabado). Die meisten Kurse beschäftigen sich mit der Aktstudie. Im Zeichenkurs (Dibujo) wird das Modell mit Kohle studiert und man wird in Techniken geschult. 
Genauso dient der nackte Körper als Vorlage für Anatomie (anatomia) und auch beim Modulieren mit Ton (Modelado).
Wer sich an moderne Kunst halten möchte, wird es in Sevilla etwas schwerer haben. Er sollte die Malereiklassen belegen oder Kurse aus höheren Jahren wählen (4./5.Jahr), wobei ich der Meinung bin, dass auch ein Exkurs in diese klassische Variante des Studierens einem sehr viel bieten kann.
Einen sehr guten Theoriekurs über Moderne Künstler (auch viele aus Spanien) habe ich mit dem Fach "Symbologia" belegt.
Das Studium in Sevilla war sehr aufregend und neu für mich, da es wie schon erwähnt für KoDe nicht den Standart anbietet wie für Freie Kunst.
Da das akademische Jahr ist nicht in Semester geteilt ist, sondern man die Kurse für ein ganzes Jahr belegt, ist es ratsam, im Wintersemester dorthin zu gehen. Dazu kommt, dass das Sommersemester schon Ende Mai vorbei ist und alle diejenigen die nicht aus Sevilla kommen, die Stadt im Sommer verlassen, da es dort über 50 Grad heiß wird. Das bedeutet, die Läden machen zu, die Clubs schließen, und die Leute verschwinden sobald sie können, nein, ganz so schlimm ist es nicht, aber es wird merklich heißer und leerer.

Da wir schon bevor wir in Sevilla waren unsere Wohnung gefunden hatten, kann ich zur Wohnungssuche nicht sehr viel sagen. Es gibt wohl zahlreiche Aushänge in den Unis und auch in den einzelnen Fakultäten gibt es Informationen darüber. Eine Internetseite, auch nicht so ganz unbekannt, ist: www.idealista.es

Der Spanischkurs, der angeboten wird während des Semesters ist schon hilfreich, dennoch würde ich raten für den Einstufungstest etwas zu lernen, damit man nicht in einem zu niedrigen Niveau landet, dann ist es langweilig und auch die Fahrt dafür zu lang. Die Fakultät der Sprachen befindet sich nämlich etwas außerhalb, während die Bellas Artes direkt im Zentrum Sevillas liegt.
Der Kurs findet zweimal die Woche statt - er ist halbjährlich angelegt.

Sevilla ist als Stadt unglaublich!!

Es gibt ein sehr großes Angebot an kulturellen Erfahrungen, das durch den Marokkanischen Einfluss unglaublich interkulturell wird. Und doch ist die Bevölkerung Sevillas sehr jung. Jeden Abend (außer an manchen Montagen) sind die Bars der Stadt gefüllt. Das alternativere Viertel und ein sehr guter Ort zum Wohnen ist die Zone um die "Alameda de Hercules". Dort gibt es Bars für jung und alt, die Konzerte geben oder Paella-Abende anbieten.
Die wohl größten Ereignisse in Sevilla sind die "Feria de Abril" und "Semana Santa" in dieser Zeit erkennt man die Stadt nicht wieder, aber es lohnt sich bei den Ereignissen dabei zu sein oder für sie zurückzufliegen.
Ich habe in Sevilla wirklich eine tolle Zeit verbracht, war seitdem schon 2 mal wieder dort, um meine Freunde zu besuchen und wurde auch selbst schon in Kiel besucht und der nächste Besuch zur Feria ist in Planung. 
Es hat sich, obwohl es für das Kommunikations Design Studium nicht ganz so förderlich war, in jeglicher Hinsicht gelohnt und ich würde jedem immer empfehlen, sich Sevilla als Ziel auszusuchen!
Falls es noch Fragen gibt, schreibt einfach:

lisafischbach@muthesius.de

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