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Studieren in der nördlichsten Hauptstadt der Welt Listaháskóli Ísalnds - Iceland Acedamy of the Arts / WS 2011

Viele haben mich vor meiner Abreise gefragt, wieso Island, wieso gerade im Winter wenn das Leben dort von Dunkelheit und Kälte geprägt wird. Aber genau das hat mich gereizt. Eine Erfahrung zu machen, die nicht jeder macht und Island außerhalb der Hauptreisezeit mit seinem rauen Klima, beständiger Dunkelheit und Polarlichtern zu erleben.

Als dann im Januar meine Füße isländischen Boden berührten, hat mich das Wetter doch etwas überrascht. Kein Schnee und Temperaturen über dem Gefrierpunkt, lediglich die Dunkelheit war in den ersten Wochen ein ständiger und ungewohnter Begleiter. Durch den warmen Golfstrom fällt der Winter gerade im Südwesten des Landes erstaunlich mild aus. Reykjavik weist zu dieser Jahreszeit nicht selten höhere Temperaturen auf als New York oder Zürich. Jedoch ist das Wetter unberechenbar und gnadenlos. Regen, Hagel, Schneesturm und Sonnenschein das alles kann man hier innerhalb eines Tages, sogar innerhalb weniger Stunden erleben. Der Isländer sagt: „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten und es wird bestimmt schlechter.“

Die Hauptstadt Islands ist mit ihren 120.000 Einwohnern überschaubar, aber auf keinen Fall langweilig. Die vielen kleinen, bunten Häusern, das wilde Nachtleben und die eigenwilligen, jedoch herzlichen Bewohnern lassen Reykjavík schnell zur Lieblingsstadt avancieren und der isländische Charme lässt einen so schnell nicht mehr los.

Gewohnt habe ich in einem der vielen Gästehäuser, deren Zimmer in der Nebensaison zu günstigen Preisen überwiegend an Austauschstudenten vermietet werden. Bei der Suche nach einem Zimmer greift einem das International Office der Kunsthochschule tatkräftig unter die Arme und wenn man unter den Angeboten, in der an alle Austauschstudenten zugesandten Liste, nicht fündig wird kann man jederzeit an die Schule herantreten und um Hilfe bei der Unterkunftssuche bitten. Ich teilte mir das wirklich sehr angenehme Ambiente des Odinns, so der Name des Gästehauses, mit 13 weiteren Studenten, die größtenteils alle ihr erstes oder bereits zweites Semester in den unterschiedlichen Fakultäten der Iceland Academy of Arts bestritten. So war auch schnell Anschluss gefunden und Langeweile kam in der Freizeit selten auf.

Ausgenommen des Designs mit Grafik Design, Modedesign, Industriedesign und der Architektur, die alle in  dem Hauptgebäude der Schule untergebracht sind, gibt es noch die Fakultäten Freie Kunst, Theater und Musik sowie Tanz welche sich auf 2 weitere Gebäude in Reykjavik verteilen. Bei meinem ersten Besuch im Department für Design und Architektur fiel mir nach der herzlichen Begrüßung sofort die gemütliche Atmosphäre auf. Die Schule ist klein und übersichtlich und unserer Muthesius nicht ganz unähnlich, ich fühlte mich sofort wohl und willkommen. Das Schulsystem war jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Es gleicht eher dem einer gewöhnlichen Schule, als dem einer Kunsthochschule. Während den Projekten, die sich je nach Größe über zwei bis sechs Wochen verteilen, besteht tägliche Anwesenheitspflicht, das heißt man müsste jeden Tag zur Uni gehen um dort zu arbeiten. Aber zum Glück sind die meisten Professoren einsichtig und es lässt sich über alles reden. So konnte ich mir einige Male den 15 bis 20 minütigen Fußweg durch Schnee und Regen sparen und in Ruhe zu Hause an den Projekten arbeiten. Generell ist das Verhältnis zwischen Studenten und Lehrenden sehr offen und herzlich. Man duzt sich. Wie überall in Island spielt der Nachname nur eine Nebenrolle und nicht selten findet man sich am Wochenende, biertrinkend neben seinem Prof in einer Bar, einem Club oder auf einem der vielen Konzert in Reykjavik wieder. Neben den Hauptprojekten gibt es noch unzählige Workshops, und man kann sich zwischen Animations- und Videokursen über Druckkurse bis hin zu Metal- und Holzbearbeitungskursen entscheiden. Die offizielle Unterrichtssprache ist isländisch, aber es wird sehr viel Rücksicht auf die Austauschstudenten genommen und überwiegend englisch gesprochen. Englisch ist wie in allen nordischen Ländern weit verbreitet und vom fünfjährigem Knirps bis zum hundertjährigen Greis spricht es fast jeder fließend. Somit ist es nicht zwingend notwendig, Isländisch zu lernen. Wer jedoch an Sprachen interessiert ist, kann sich in den unzähligen Sprachschulen oder dem Sprachkurs der Universität an der alten, seit tausend Jahren fast unverändert gebliebenen Sprache versuchen. Viel Glück dabei!

Natürlich hat Island neben Reykjavík und einer sympathischen Kunsthochschule noch mehr zu bieten. Daher sollte man  seine freien Minuten nicht nur dem Nachtleben widmen, sondern so oft wie möglich den Rucksack packen und sich der überwältigenden Schönheit der Natur hingeben. Sobald man Reykjavík verlässt betritt man eine völlig neue Welt, es scheint als würde man einen neuen Planet bereisen. Für einen Moment ist alles grün, im nächsten alles gelb oder orange, welches daraufhin bald von einem einnehmenden schwarz unterbrochen wird. Rauchsäulen steigen gen Himmel und tausende Wasserfälle rauschen zu Tal und dazwischen überall warme Flüsse oder heiße Quellen, die zum Baden einladen. Die Vielfalt der isländischen Natur ausführlich zu beschreiben würde hier allerdings den Rahmen sprengen. Ich kann nur sagen, dass ich keinen Tag bereue, den ich auf dieser kleinen Insel im Nordatlantik verbracht habe und eins steht fest: Das war bestimmt nicht mein letzter Besuch!

Markus Kleinloh / Kommunikationsdesign

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