An der Schnittstelle zwischen Kunst, Design, Architektur und Digital
Media bildet der Bereich Raumstrategien ein Dach für raumbezogene
Studiengänge und Forschungsansätze. In Abgrenzung zum Design, das sich
eher dem Objekt und der Serie verpflichtet sieht, befasst sich dieser
Bereich mit der Differenz von Räumen in allen Formen und
Maßstäblichkeiten und mit der Interpretation räumlicher Situationen und
Beziehungen.
Phänomene im realen wie auch im virtuellen Raum werden unter Aspekten
von Atmosphäre, Ordnung und Sinnhaftigkeit analysiert und definiert
(Mensch-Raum-Beziehung). Die damit zu beziehenden Positionen reichen vom
realortsstiftenden bis zum inszenatorischen Ansatz. Die Grenzen
zwischen realem und virtuellem Raum können dabei fließend sein.
Für gestalterische Interventionen im Sinne singulärer räumlicher
Identität und/oder Inszenierung wie auch komplexer raumbezogener
Konzepte und Raumsysteme werden gestalterisch fundierte Strategien
entwickelt und vermittelt.
Die Muthesius Kunsthochschule reagiert mit dem neuen Bereich
Raumstrategien auf aktuelle Entwicklungen, die die Frage des Raums neu
gewichten. Seine Gestaltung und Inszenierung stellt sich heute vor
allem vor dem Hintergrund digitaler Vernetzung und der Dynamik der
Globalisierung. Die elektronischen Massenkommunikations-Medien scheinen
zwar räumliche Grenzen aufzuheben wie allgemeine
Globalisierungs-Tendenzen die Vielfalt kultureller Räume einebnen, doch
treten dadurch umgekehrt räumliche Signifikanzen als soziale und
kulturelle Parameter um so deutlicher hervor.
Ihre wachsende Bedeutung zeigt sich in den wissenschaftlichen Diskursen
insbesondere dadurch, dass bereits von einem ,spatial turn‘ die Rede
ist: Räume schaffen Wirklichkeiten, bilden Hierarchien ab, eröffnen und
behindern gesellschaftliche Beziehungen, zeigen oder verdecken
Funktionen, stiften Atmosphären oder verunmöglichen das Gefühl von
Zugehörigkeit.
Die bedingende Kraft von Räumen für Gesellschaft und
Kultur, ihre identitätsstiftende Funktion gewinnt damit an Relevanz.
Mit der Gestaltung von Ortschaften, der Reflexion und Durchdringung
ihres Atmosphärischen, der Schaffung eines spezifischen lokalen
Ambientes, der thematischen Bildung erlebbarer environments und der
sinnlichen Erfahrbarmachung urbaner Semantiken stellt sich nicht nur ein
neues Aufgabengebiet für Kunsthochschulen, sondern es ergibt sich auch
eine völlig neue gestalterische Verantwortung.
Das gilt sowohl für das Design von Innenräumen als auch für die
Strukturierung und Lesbarkeit öffentlicher Räume und Plätze vom
exponierten Solitär bis zum Ensemble, von der Ausstattung von Museen
und Bibliotheken über die Gestaltung von Bühnen bis zur
themenzentrierten Ausstellungsgestaltung und der Herstellung
erkundbarer und entdeckbarer Szenarien für Wissenschafts- und
Technologieparks oder Freizeitanlagen. Sportliche, politische,
kulturelle oder kommerzielle Events finden heute durchweg in
inszenierten Räumen statt, die durch den Einsatz medialer, szenischer,
filmischer oder architektonischer Mittel gebildet werden. Ihre
Gestaltung verlangt nach professioneller ästhetischer Kompetenz.