Auch die Fotografie ist betroffen vom Wandel, der mit der Fortschreibung des Analogen in das Digitale einhergeht. Im Umfeld von Programmen und Computern wird der einzigartige Realitätsbezug der analogen Fotografie zur puren Option, im Ausgleich kommt es zu einer Erweiterung des ästhetisch Möglichen. Der Masterschwerpunkt fragt, in wieweit sich die traditionellen Leistungen und Aufgaben der Fotografie sichern lassen und welches neue Terrain von ihr erobert werden kann.
Inhaltliche Ausrichtung
Die Repräsentation realer Ereignisse ist nach wie vor ein klassisches Aufgabengebiet des Mediums. Weil einem Foto nicht mehr anzusehen ist, ob es gerechnet wurde oder noch Spur des Realen ist, gilt es, die Glaubwürdigkeit visueller Informationen neu zu definieren. Das ist von besonderem Interesse für den Journalismus, betrifft letztlich aber auch all die Bereiche, in denen das Medium dokumentarische Aufgaben zu erfüllen hat. Neue Strategien müssen entwickelt werden. Dazu ist eine kritische Bestandsaufnahme des bisherigen Gebrauchs unumgänglich. Archive, Sammlungen und Datenbanken sind hier unter anderem von Bedeutung und ihre Strukturen spiegeln zeit- und kulturbezogene Übereinkünfte. Sie lassen sich problematisieren
und gestalten.
Darüber hinaus ist und bleibt die fotografische Inszenierung ein weiterer Themenbereich. Angefangen vom Porträt, bis hin zur künstlerischen Performance vor der Kamera, hat man auch hier bisher mit dem Realitätsbezug des Mediums gearbeitet und von ihm profitiert und muss nun die Neuerungen ergründen. Je weiter sich die Fotografie von ihren analogen Produktionsprozessen entfernt, desto mehr fällt sie zukünftig mit Simulation und Animation, also mit anderen technischen Bildmedien, in eins. Der ästhetische Gewinn und der Zuwachs an Repräsentationsmöglichkeiten ist bedeutend.
Wissenschaftliche Experimente z. B., die als unverständliche Zahlenreihen in Computern lagern, werden so vorstellbar und lassen sich kommunizieren. Aber hier entstehen auch neue, virtuelle Welten, die mit dem Interesse an der physischen Realität konkurrieren. All das gilt es auf Möglichkeiten und Konsequenzen hin auszuloten und zu befragen.
Interdisziplinarität und Vernetzung
Um virtuelle und reale Bezüge von Fotografien und technischen
Bildern in Zukunft unterscheiden und anwenden zu können, ist ein
differenziertes Verhältnis zur Rezeption und Produktion vonnöten,
braucht es die Bereitschaft, Medien nicht nur zu nutzen, sondern
mitzudenken und auszuzeichnen. Medienkompetenz wird zur
Voraussetzung von Kommunikation, Medientheorie ist deshalb ein
Schwerpunkt des Masterstudiums. Mit dem Zentrum für Theorie
sind Seminare über Bildtheorien, insbesondere über die Theorie
technischer Bildmedien vereinbart. Auch die Geschichte der Fotografie wird gelehrt, mit der Typografie werden (und dem gegenüberstehenden Masterstudien) editorische Konzepte geplant. Diskutiert werden hier nicht nur die Leistungen Einzelner, sondern auch der gesellschaftliche Gebrauch der Fotografie und die damit einhergehenden Bedeutungszuweisungen.
Gesellschaft lässt sich heute nicht ohne ihre allgegenwärtige Medialisierung verstehen. Fotografien sind stets in die Kommunikation über politische und gesellschaftliche Prozesse eingebunden. Will man über die Gesellschaft in Bildern arbeiten, sind sie also bereits immer Teil des Umstands, über den gearbeitet werden soll. Die einzelne Fotografie kann hier wenig ausrichten, Metastrategien sind gefragt, die dem Rechnung tragen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Möglichkeit des mehrmedialen Arbeitens, z. B. mit bewegten und stehenden Bildern, oder mit Bild und Ton. Im Kontrast der Medien
lassen sich die jeweiligen Eigenarten und Grenzen, läßt sich das
Mediale besonders gut problematisieren und darstellen. Außerdem erweitert sich auf diese Weise das Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten.
So wird Metakommunikation möglich. Hier ist die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medien und die Kooperation mit dem Lehrgebiet Sprache vereinbart. Der Sprache kommt im Schwerpunkt eine ganz besondere Bedeutung zu. Sie unterstützt auch die Konzeption, die schriftlich ausgearbeitet, Voraussetzung für jede Arbeit ist und kümmert sich darüber hinaus um die verbale Vermittlung der abgeschlossenen Arbeiten. In Kombination mit der Theorie gelangen so Berufe in den Fokus der Ausbildung, die sich mit dem Gebrauch, der Vermittlung und der Bewertung von Fotografie beschäftigen : Kurator, Medienwissenschaftler, Archivar, Bildredakteur, Artdirektor oder Feuilletonist.
Der Schwerpunkt Fotografie beschäftigt sich im Einzelnen mit folgenden Formaten : Bildjournalismus, Dokumentarfotografie, Inszenierte Fotografie, computerbasierte Illustration, 3-D-Animation, Fotoroman, Fotofilm, die fotografische Arbeit in Buch- und Ausstellung, Arbeiten mit und über Archive, Sammlungen, oder andersartig aufgefundenes Material, Fotografie im digitalen Raum.
Die Ausbildung zielt zum einen auf den angewandten Fotografen
für Redaktionen und Verlage, zum anderen auf den Künstler. Sie
zielt dann auf vermittelnde und verwertende Berufe in Kultur und
Wissenschaft.
Prof. Peter Hendricks
Ihre weiteren Fragen beantwortet
Prof. Peter Hendricks
T 04 31 – 51 98-435, E hendricks@muthesius.de