Ich möchte mich von found footage-Material aus meinem Archiv zu Fragen
und Argumenten anregen lassen. Ich werde also nicht Bildmaterial als
sekundäre Verifikationsinstanz eines Gedankens einsetzen, sondern als
primären Auslöser für eine Fragestellung. Es geht mir um eine Klärung
der Frage, was mit unseren sinnlichen Fähigkeiten und unserem Können
passiert, wenn Maschinen immer schneller, billiger und zuverlässiger
etwas herstellen können als der menschliche Organismus. Was passiert
mit den Fähigkeiten unserer Augen, wenn die Maschinen uns auf diesem
Gebiet mehr und mehr das Sehen abnehmen, weil sie es schneller,
billiger, ermüdungsfreier und präziser können? Werden dann menschliches
Sehen und die Arbeit der Augen zu folkloristischem Kitsch, zur „Kunst
der Beobachtung“, zu etwas, was nur noch in Themenparks eine Rolle
spielt? Wird das Sehen mit den eigenen Augen nur noch innerhalb eines
inszenierten Spektakels, in welchem dem Betrachter etwas „zu sehen
gegeben“ wird, gesellschaftlich akzeptiert?
Prof. Dr. Hans Dieter Huber, Künstler und Kunsthistoriker, nach einer
Professur für Kunstgeschichte an der Hochschule für Grafik und
Buchkunst, Leipzig, seit 1999 Professor für Kunstgeschichte der
Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie und seit Mai 2006 Leiter des
internationalen Master-Studiengangs „Medienkonservierung“ an der
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Assoziierter
Professor am Graduiertenkolleg „Bild, Körper, Medium“ an der HfG
Karlsruhe. Von März bis Juni 2007 Senior Fellow am Internationalen
Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien.