Die Interdisziplinären Wochen bieten eine Plattform für den Austausch
sowohl innerhalb der Kunsthochschule als auch für den Dialog mit
prominenten Positionen außerhalb. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei
auf mögliche Anschlüsse zwischen Theoriediskursen und ästhetischer
Praxis. In mehrtägigen Workshops arbeiten die Studierenden
bereichsübergreifend mit eingeladenen Künstlern. Die öffentlichen
Symposien bieten Gelegenheit den Forschungsstand zu einem Thema
vorzustellen und zu den Belangen künstlerisch-gestalterischer Arbeit in
Beziehung zu setzen. Darüber hinaus schaffen sie einen Rahmen für
Diskussionen und Vernetzungen, die zur Schärfung eines spezifischen
Profils der Muthesius Kunsthochschule in Forschung und Lehre beitragen.
Bogenthema der Intendanz des Forums für die kommenden zwei Jahre ist
das Thema gehen blühen fließen. Es befasst sich mit der medialen
Erfassung und Übersetzung von Naturprozessen, die unser Verhältnis zur
Wirklichkeit verändert haben und weiterhin verändern.
Wissenschaftshistorische Debatten über die unterschiedlichen Ordnungen
des Sichtbaren werden aufgegriffen und die Zirkulation von Aufnahmen
untersucht, die eine andere Ansicht der Natur zeigen. Der Absicht nach
nichts als exakte Aufzeichnungen wirken sie außerhalb ihres
Entstehungszusammenhangs oft rätselhaft. Die Avantgarden des 20.
Jahrhunderts interessierten sich für den fiktiven Zug dieser
Bildwelten. Besonders die Surrealisten machten strategischen Gebrauch
davon. Eine Kunst, die sich selbst als experimentell versteht, bedient
sich (pseudo)wissenschaftlicher Beobachtungs- und
Dokumentationsprotokolle, um andere Sichtbarkeiten zu erzeugen.
Gerade da, wo ein forschender Aspekt in der ästhetischen Praxis an
Bedeutung gewinnt, ist es wichtig, sich der Erfahrungen und
Möglichkeiten zu vergewissern. Das Projekt gehen blühen fließen
versucht dies anhand einer offenen, thematischen Vorgabe. Die
Veranstaltungen sind darauf angelegt, vor einem mediengeschichtlichen
Hintergrund einen Reflexionsraum zu öffnen, der das Nachdenken durch
unterschiedliche Zugänge zum Thema in Bewegung hält und für kreative
Impulse sorgt. Am Ende des Projekts steht 2011 eine Ausstellung in der
Stadtgalerie Kiel, die wichtige historische Etappen zitiert, aber vor
allem zeitgenössische Positionen zum Thema gehen blühen fließen zeigt.
Ein Katalogbuch wird Projekt und Ausstellung dokumentieren.