MEDIEN UND THEORIE / INSTITUT FüR KUNST-, DESIGN- UND MEDIENWISSENSCHAFTEN / KUNSTGESCHICHTE UND VISUAL STUDIES / TERMINE
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Symposium „Mode im Film – Mediale und kulturelle Transfers“

5. – 7. Mai 2011
Ort: Lessinghalle
Konzept: Theresa Georgen und Norbert Schmitz

Kooperation:
Raumstrategien: Manfred Schultz und Studierende
Typographie: Annette Stahmer und Studierende

Vorbereitend zum Symposium findet im WS 2010/11 ein Seminar statt:
Theorie und Praxen der Mode – ein Paradigma für Kunst und Design

Die geplante Tagung sieht vor, Mode als Medium und ästhetisches Potential im Film zu untersuchen.
Mode war immer schon Bild und im Bild. Ihre mediale Repräsentation ist Teil ihrer kulturellen Codierungen, ihre Internationalität und Allgegenwärtigkeit ist nur medial denkbar. Das System Mode  als Stifter von wechselnden Identitäten, als Ort der Selbstdarstellung und Selbstwahrnehmung ohne Regeln und normüberschreitend ist von zahlreichen Autorinnen und Autoren bereits herausgearbeitet worden (z.B. Vinken, Geiger, Lehnert). Auch Mode als autonomes ästhetisches System analog zur Kunst hat in zahlreichen Ausstellungen und Katalogen seinen Niederschlag gefunden.

Das Thema des Symposiums: Mode im Film, ist eigentlich eine Doppelung, denn fast jeder Film ist mindestens ein Dokumentarfilm über die Mode, meistens als fiktionaler Erzählfilm auch einer, der mit der Kleidung seiner Protagonisten dramaturgische Akzente setzt. Insofern ist eine Geschichte der Mode im Film auch immer eine Geschichte der (fast) ganzen Kinogeschichte hinsichtlich eines ihrer wesentlichen Gestaltungsmittel. Insofern sind die Publikationen zum Thema, soweit sie nicht schlichte Kostümkunde der großen, meistens amerikanischen, Ausstattungsfilme sind – meistens recht beliebig, d.h. sie setzen Schwerpunkte in der Geschichte des Kino nach vestimentären Höhepunkte ohne eine wirkliche Fragestellung, ein methodisches Kriterium zu entwickeln.
Beim Symposion soll es aber nicht um diese Allgemeinheit gehen, vielmehr wird nach jenem fast magischen Punkt gefragt, bei dem Kleider mehr sind als ein funktionales Mittel und selbst Akteur werden, also ein Stück weit in sich selbst ihre Rechtfertigung finden. Bezeichnend ist der Umschlagspunkt, wenn das Publikum die modischen Artefakte nicht einfach mehr als Hinweise auf anderes, (gesellschaftliche Verordnung, emotionale Befindlichkeit etc.) versteht, sondern das Kleid als solches betrachtet.
Beide – Mode und Film – werden als autonome Systeme aufgefasst und beide als ästhetische Praxen, die gerade in ihrer Eigenständigkeit Wirksamkeit entfalten. Dies erlaubt es auch, bestimmte sicherlich sinnvolle Fragestellungen wie z.B. nach einer Kritik der Modeindustrie ein Stück beiseite zu stellen, ohne den kritischen Anspruch zu negieren. Ähnlich wird Mode im Film nicht auf ein bloßes ‚Vermittlungsparadigma’ reduziert, sondern beide ästhetische Praxen zeigen gerade in ihrer Eigenständigkeit in ihrer Begegnung ihr Potenzial. Das gleiche gilt – auch wenn dies erst einmal überraschen mag, für die gesellschaftliche Praxis der Kleiderordnungen des Alltags, denn diese werden – ohne das hier zu schlichte utopische Potenziale im Sinne der cultural studies impliziert sind – nicht einfach als Effekte einer ‚vestimentären Kulturindustrie’ deutbar, sondern selbst als zivilisatorische Aneignungsformen für eine entwickelte Kultur verstanden, in denen jedes Individuum eine ästhetische Praxis darstellt, eine Praxis, deren Modelle nicht zuletzt in den Medien erzeugt wurden.
Von alledem darf man sich auch ganz konkret in zweierlei Hinsicht Erkenntnis versprechen, zum Film, als das sich hier eine Inszenierung des Materiellen entwickelt, die wie andere Formen einer phänomenalen Beschreibung der Oberfläche der Dinge, ein zentrales Moment filmischer Ästhetik darstellt.
Zum anderen für die Mode, insofern filmische Inszenierung der Kleider Aufschluss über ästhetische Praxen im Umgang mit Kleidern geben, die jenseits der direkten Funktionsabläufe des Systems Mode das kulturelle Selbstverständnis der Gesellschaft bestimmen. Die oben beschriebenen Inszenierungspraxen, das Versprechen der Mode als  erotisches Abenteuer, als Durchbrechen körperlicher Normen  und kultureller Codes, wie sie Haute Couture, Modeavantgarden, Modefotografie etc. entwickeln, werden über die mediale Praxis des Films noch einmal neu in das kulturelle Bewußtsein überführt. Denn Kleider werden gleichermaßen im Kopf des Zuschauers getragen wie auf der Strasse. In diesem Sinne geht es auch um die Alltagspraxis gesellschaftlichen Bewusstseins, also inwiefern die symbolischen Formen des Kinos Aufschluss geben über das gesellschaftliche Bewusstsein. Und zweifellos sind ästhetische Selbstinszenierungen des Alltags sinnleitende Fixpunkte, als Fokus der Identitätsstiftung, in der Erlebnisgesellschaft.